Geistliches Wort vom 19.04.2014
Geistliches Wort vom 19.04.2014
Drei heilige Tage
Gestern. Karfreitag. Tag des Zorns. Gegen einen wehrlosen, unschuldigen Idealisten wendet sich der Zorn der Massen. Ihm wird der Prozess gemacht. Er wird zu Tode gefoltert. Jesus. Einer von vielen. Wer seine Geschichte anhört, den Geschundenen am Kreuz sieht, dem gehen die Augen auf.
Das Kreuz Jesu lässt durchblicken auf all das Entsetzliche, das zum Leben gehört: Krankheit, Sterben, Trauer, zerbrochene Beziehungen, Suizid, Schmerzen, Verzweiflung, Unfälle. Wenn sich der Blick noch ein bisschen weitet, erscheinen auch verhungernde Kinder, Sexsklavinnen, im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge, der syrische Bürgerkrieg, Gefolterte, …
Warum musste Jesus sterben? Warum hat das Böse solche Macht? Warum gebietet Gott nicht Einhalt?
Karfreitag. Tag des Zorns auf einen Gott, der das alles nicht verhindert. Der es uns zumutet, ohne uns zu sagen, warum.
Heute. Karsamstag. Gott ist tot.
Gottes Sohn ist zur Hölle gefahren, ins Reich des Todes. Zwischen Mensch und Gott läuft nichts mehr. Wer kann schon etwas anfangen mit einem Gott, der nicht hilft, nicht rettet, der selbst seinen eigenen Sohn am Kreuz verrecken lässt? Was ist das für ein Gott? Ist da überhaupt ein Gott?
Oder was sind das für Menschen, die einander abschlachten, zu Tode quälen oder seelenruhig dabei zuschauen? - Da kann man ja doch nichts machen!
Karsamstag: Tag derer, die nicht mehr beten können. Die Gott vermissen. Die aufgehört haben, ihn zu suchen oder ihn vergeblich suchen.
Morgen. Ostern. Tag des Unglaubens.
Am biblischen Ostermorgen waren es Frauen, die suchten. Sie suchten den Leichnam Jesu, fanden ihn aber nicht. Sie erzählten den anderen Jüngern die unglaubliche Geschichte von einem Toten, der lebt. Niemand glaubte ihnen. Sie hätten ihn gesehen, mit ihm gesprochen, sagten sie. - Frauengeschwätz! So etwas gibt es nicht! Nicht nur der „ungläubige Thomas“, sie alle glaubten nicht. Thomas lässt sich nicht auf Gerüchte ein: „Wenn da was dran sein sollte, muss ich es schon sehen und spüren können“, fordert er und bekommt, was er verlangt. Der Ermordete zeigt sich ihm lebend.
Ostern. Tag der Ungläubigen, die zweifeln und suchen und vielleicht einmal ihre ganz persönliche Antwort bekommen.
Wer für die verrückten Geschichten von der Auferstehung eines Toten keinen Glauben übrig hat, ist gut aufgehoben in der Bibel. Nichts ist bewiesen. Nichts logisch erklärbar.
Es gibt nur einen Widerspruch gegen den Unglauben: die Zeugen. Zu biblischen Zeiten die Jüngerinnen und Jünger Jesu, die selbst ungläubig zum Glauben kamen und dann ihr ganzes Leben auf diese eine Karte setzten. Heute sind es Menschen, die in tödlicher Krankheit unerklärliche Hoffnung ausstrahlen oder Menschen wie Frans van der Lugt. Der niederländische Seelsorger wurde am 7. April im syrischen Homs ermordet. Freiwillig hatte er darauf verzichtet, die Stadt zu verlassen. Er konnte seiner Gemeinde treu bleiben, Hunger, Leiden und Angst mit ihnen teilen. Er folgte den Spuren Jesu bis in den Karfreitag hinein. Die Angst vor dem Tod hatte keine Macht über ihn.
Solche Zeugen beeindrucken. Sie beweisen nichts. Sie widersprechen nur dem Unglauben.




