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Von Unendlichkeit zur Ewigkeit

 

Geistliches Wort vom 29.10.2016

Die Mathematik und die Astrophysik befassen sich mit Begriffen, die für die meisten Menschen unverständlich bleiben. Die Mathematik spricht beispielsweise vom Unendlichen: Was geschieht im Grenzbereich der betrachteten Domänen und wie gültig sind noch die mathematischen Modelle. Die Astrophysik erforscht das Reich der Sterne, ihre Zusammensetzung, ihre Bewegung, ihre Entstehung und ihr Sterben. Man spricht von einem gekrümmten Weltall und von Gravitationswellen. Selbst das Licht bildet immer noch unter den Wissenschaftlern Anlaß zu Diskussionen, ob es allein aus Lichtquanten oder in Verbindung mit elektromagnetischer Strahlung besteht.

Der Mensch versucht, sein Umfeld zu verstehen. In ihm ist ein ungebremster Trieb nach Erkenntnis. Er erkundet die Welt, das Universum und sich selbst. Manche Fragen finden eine Antwort; dafür entstehen neue Fragen. Die Grenzen des Wissens und der Erkenntnisse werden weitergeschoben, doch nie erreicht.

Die Unendlichkeit kann nicht erfasst werden und mit ihr bleibt auch der Begriff der Ewigkeit unfassbar. Mit der Relativitätstheorie sprechen die Wissenschaftler von einem Universum in stetiger Expansion. Spitzformuliert soll die Unendlichkeit expandieren, immer größer werden. Was für ein unglaubliches Bild!

Einfach gesagt: Was der Raum für die Unendlichkeit bedeutet, verbindet der Begriff der Zeitlosigkeit mit der Ewigkeit. Gibt es ein singulärer Punkt, wo Ewigkeit und Unendlichkeit auf einander zusammentreffen? So ein Zustand, wo der Raum unendlich groß ist, aber wo die Zeit aufhört zu sein?

Der Wissenschaftler baut Theorien und Rechenmodelle auf, in der Hoffnung sie verifizieren zu können bzw. sie anzupassen. Der Philosoph wird sich fragen: Wo bleibt der Mensch in diesem unfassbaren Gebilde? Wo ist sein Platz in der Unendlichkeit und was ist seine Bedeutung angesichts der Ewigkeit?

Der gläubige Mensch wird die Überlegung anstellen, zu wissen, wie diese Begriffe mit Gott in Verbindung stehen: Welche Bedeutung hat das Geschöpf „Mensch“ in dieser Unendlichkeit? Wie steht sein winzig kurzes Leben im Verhältnis mit der Ewigkeit?

Der November wird oft als ein trister Monat empfunden. Ein Monat des Sterbens, eine Zeit des Abschieds. Ein Gefühl der Endlichkeit. Es ist eine Zeit, die nach hinten gerichtet ist, ehe in Dezember der Blick sich auf Weihnachten und Neujahr wieder nach vorne orientiert.

November ist die Zeit der Fragen: Was ist mit mir? Wie lange noch mit mir? Der hilflose Mensch wandelt in seiner Vergänglichkeit durch die Unendlichkeit des Universums einer Zeit entgegen, die für ihn immer kürzer wird. Er steht fragend nach Sinn und Ziel seines Daseins im Leben. „Seh´ ich den Himmel, das Werk Deiner Hände, Mond und Sterne, die Du geschaffen hast, dann staune ich: Was ist der Mensch, daß Du Dich seiner annimmst?“ Die Frage aus dem Psalm 8 drückt Staunen aus und gibt Hoffnung im grauen November. Die Worte sprechen von der Einmaligkeit unseres Lebens, sie vermitteln eine Botschaft der Wertschätzung: Du bist zwar weniger als ein Sandkörnchen in der Unendlichkeit des Universums, aber Du bist einmalig, unvergleichbar wertvoll und mit deinem innersten Wesen für die Ewigkeit bestimmt.

Das Leben als eine Etappe auf dem Weg der Ewigkeit, das drücken die Worte aus: „Herr, gib ihm die ewige Ruhe. Und das Ewige Licht leuchtet ihm.“ Hier beginnt die unendliche Ewigkeit.

 Pierre Gerodez, Diakon, Laudenbach