Das Zeitliche segnen
Geistliches Wort vom 04.01.2014
Ein Gedicht von Eduard Mörike endet mit den Worten: „Herr, in deine Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.“
Diese Worte des Dichters passen zum Jahreswechsel. Wir können uns an dieser Stelle fragen: War 2013 ein gutes Jahr? War es ein erfülltes Jahr? Wahrscheinlich fallen unsere Antworten sehr verschieden aus. Vieles haben wir erfahren und erlebt. Manches haben wir vielleicht auch durchlitten. Vieles hat uns angerührt und bewegt, traurig oder froh gemacht, vielleicht auch aggressiv und zornig: Krieg und Terror in Nahost und in Afrika, die Flutkatastrophe auf den Philippinen, denen so viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Und wenn wir in unsere Kirche blicken: Die Vorgänge im Bistum Limburg haben die Menschen enttäuscht und wütend gemacht. Für viele war es der letzte Anstoß, unsere Kirche zu verlassen.
Dieses Jahr ist vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Nehmen wir uns darum jetzt ein paar Minuten Zeit, dieses Jahr nachklingen zu lassen: Welche Ereignisse haben mich in diesem Jahr angerührt? Was klingt in mir nach? Gibt es in diesem Jahr ein Erlebnis, eine Erfahrung, die mich dankbar stimmt? Gibt es Menschen, die mir Gutes getan haben? Gibt es etwas, was mich traurig macht, wenn ich zurückschaue? Worum möchte ich Gott in dieser Stunde bitten? Wonach sehnt sich mein Herz?
Was macht mir Hoffnung, wenn ich an das neue Jahr denke? Was ermutigt mich, in dieses neue Jahr zu gehen? „Herr, in deine Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.“ Gottes Gegenwart, das Wissen, dass er da ist – das ist für mich eine Quelle der Kraft und der Hoffnung. Egal in welcher Lebenslage ich auch bin – Gott ist da und er geht mit. Das schafft Vertrauen und das ermutigt – auch wenn schwarze Wolken aufziehen. Gott ist da – und er ist da, wenn wir lachen und fröhlich sind. Welch kostbare Gabe uns gegeben ist. Hüten wir sie wie einen kostbaren Schatz. Und dieser Schatz wird immer wieder aufpoliert, wenn wir mit Gott in Verbindung sind, wenn wir das Gebetsleben pflegen und nicht zuletzt den Mut zur Umkehr aufbringen, wenn wir uns von ihm entfernt haben. Gott wird nicht müde, sich uns auch im neuen Jahr zuzuwenden. Darauf dürfen wir vertrauen und darum dürfen wir bitten.
Wir segnen das Zeitliche und meinen damit die Vergangenheit. Sie ist gestorben und belastet uns nicht weiter. Wir leben aus der dankbaren Erinnerung, dass Gott schon alles gerichtet hat. Es ist gut so.
Wir segnen das Heute, das uns Tag für Tag sprechen lässt: Achte gut auf diesen Tag. Achte gut auf die Menschen. Sie sind dir anvertraut. Auch das ist gut so.
Wir segnen den Morgen, der nach dem Dunkel und dem Schlaf der Nacht ein Zeichen der Auferstehung ist. Wir machen damit einen Aufstand für das Leben und achten ehrfürchtig alles, was lebt. Und das ist sehr gut.
Alfred Müller, Diakon in Hemsbach




