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Sag mir wo die Träume sind?

 

Geistliches Wort 17.03..2018

Sag mir, wo die Träume sind?

Werfen wir einen Blick auf den Kalender, stellen wir fest, dass wir kurz vor dem 19. März sind. Das ist der Festtag des Heiligen Josef. Er ist der Mann von Maria, er ist ein Träumer aber ein Mann der Taten, ein schweigsamer Mensch aber ein Mensch, der die Lebenssituation wahrnimmt und mit Gottes Hilfe Lösungswege findet. Josef ist ein gerechter Mensch, der auf die Menschenwürde achtet. Ja, so und etwas mehr wollte ich schreiben. Aber die aktuelle Weltsituation mit den großen Ungewissheiten, mit der unüberschaubaren Entwicklung führt uns unweigerlich von den Träumen in eine harte Realität zurück. Dramatisch in unserer Zeit ist ein gravierender Mangel an Zukunftsvisionen, an Träumen. Es wird nur noch in dem Heute gelebt. Die Ohnmacht der Europäischen Institutionen angesichts der Abgasskandale, der dramatischen Entwicklung im Nahen Osten, vor allem in Syrien, angesichts der gefährlichen Verbreitung des Populismus und der Rechtsextremisten schreit erbärmlich zum Himmel. Dass Kinder in USA Opfer von Amokanschlägen sind, dass Kinder in Afrika an Hunger sterben, dass chaotische Zuständen in Bangladesch, Brasilien oder Venezuela zu einer unbeherrschbaren Situation führen, scheint die Politik und noch mehr die Wirtschaft in der Welt kaum Interesse zu wecken. Währenddessen fließen Milliarden an Euros und Dollars in die Entwicklung und Produktion von immer mehr vernichtenden, gewaltigen, unbesiegbaren Waffensystemen ein. Wo bleibt da Raum für Träume an eine bessere Menschheit?
Ich meine die Worte von Jesus hören, der einst sagte: “Weh, ihr Reichen. Weh euch, Menschen, die anderen missbrauchen und töten.“ Josef hatte den Traum von einem Leben nach Gottes Geist. Jesus hatte den Traum von einer Menschheit im Einklang mit der Liebe Gottes, in Würde und Frieden.
„I have a dream“ – so beginnt die bewegende Rede von Pastor Martin Luther King in Washington vor 55 Jahren. Es waren auch Krisenjahren mit den Raketen auf Kuba und mit dem mörderischen Krieg in Vietnam.
Und heute, sag mir: wo bleiben die Träume?
Sag mir, wo die Träume sind? Wo sind sie geblieben?
Es fehlt ganz und gar an Zukunftsvorstellungen. Selbst die Jugend lässt ihre Stimme nicht hören. Wie bedenklich ist es, wenn junge Menschen keine Träume und Visionen haben. Anders war es vor 50 Jahren, als die 68er-Generation auf die Straße ging und die Stimme des Aufstandes gegen erstarrten, obsoleten, Gesellschaftsstrukturen erhebte. Heute ist es dagegen sehr ruhig. Die Augen sind nicht mehr auf die Welt gerichtet, sondern nur noch auf Google, Face Book und Twitter. Es gibt keinen Tag ohne Whatapps, You Tube oder Play Box. Die Medien haben das Denken gelähmt. Brot und Spiele, wie bei den Römern, um das Volk ruhig und gefügig zu halten. Das Volk merkt nicht einmal, dass es manipuliert wird.
Ich habe noch immer den Traum von einem befreiten Menschen, von einem Menschen, der Nein sagt: Nein zur Gewalt, Nein zur Unterdrückung, Nein zum Elend. Ein Mensch, der Ja sagt: Ja zur Freiheit, Ja zur Selbstbestimmung, Ja zur Freundschaft, Liebe und Gerechtigkeit. Ein Mensch, der wie Jesus Ja zu dem Menschen sagt. Ein Mensch, der sich nicht manipulieren lässt, weder durch die Politik, noch durch die Wirtschaft und nicht durch die Medien. Wie Josef, „I have a dream.“
 
Pierre Gerodez, Diakon, Laudenbach