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Das Brot der Einheit

 

Geistliches Wort 26.05.2018

Das Brot der Einheit

Niemand wird die Bedeutung des Brotes für unsere Ernährung in Frage stellen. Das Brot ist ein wunderbares Zeichen der Verbindung zwischen einer Gabe der Natur und der Frucht der menschlichen Arbeit. Aus den vielen Körnern entsteht ein Einheitsprodukt, das wir Brot nennen. Das Schöne dabei ist, dass diese Einheit sich in einer großen Vielfalt an Broten entfaltet. Dennoch gilt das Brot als eine Einheit der einzelnen Weizenkörner. Eine Einheit in der Verschiedenheit ist es, die uns ernährt und am Leben hält, also ein Geschenk an die Menschheit.
Die letzte Runde in den großen Frühlingsfesten der Christen schließt mit den drei Festen Pfingsten, Dreifaltigkeit/Trinitatis und Fron-leichnam ab. Dann kehrt der kirchliche Alltag wieder, bis zum Advent. Katholische Christen feiern das Fronleichnamsfest auf der Straße. Sie wollen das Brot, das uns von Gott gegeben ist, ja Gott selbst, in ihrer Mitte wissen und verkünden es auf dieser Weise. Das Brot verdeutlicht, dass Christus, der Auferstandene, unter den Menschen wahrhaftig gegenwärtig ist, und mit den Menschen durch das Leben geht. „Seid gewiss: Ich bin bei euch, alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Dieses Heilige Brot ist der Kernpunkt der Versammlung aller Christen um Christus: bei den Katholiken in dem Allerheiligsten, bei den Evangelischen in dem Abendmahl, bei den Orthodoxen auch in der Heiligen Kommunion.
Gerade dieses Brot der Einheit wird heute und immer wieder zu einem Diskussionspunkt unter den Konfessionen. Die Nachrichten der letzten Wochen zeigen es in den kontroversen Diskussionen zu der Teilnahme einzelner evangelischen Christen in konfessions-verbindenden Ehen an der Kommunion.
Ein gemeinsamer Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz wird von einer kleinen Gruppe von Bischöfen in Frage gestellt. Ein trauriges Bild, wenn das vorher Vereinbarte hinterher noch in Frage gestellt wird. Es verlangt bereits eine große Kunst an theologischer Argumentation, um unter den verschiedenen Konfessionen eine gemeinsame Basis der Verständigung und der Praxis zu finden. Interne Disharmonie muss es zusätzlich nicht geben, wenn die Praxis in den Gemeinden schon weiter nach vorne gekommen ist. Oder ist aus diesem Brot der Einheit ein Brot der Trennung geworden? Wenn wir Gottesdienst feiern nehmen wir an diesem Fest des Brotbrechens gemeinsam teil. Soll jetzt aus der Teilung des Brotes bedauerlicherweise ein Brot der Teilung werden? Das Brot, das uns von Christus geschenkt ist, - ja dieses Brot, das Christus selbst ist, - soll alle Christen einen. Das Brot, das wir gemeinsam teilen, ist das eindeutige Zeichen, dass wir eins in Christus sein sollen. Diskussionen unter Theologen über die Teilnahme evangelischer Ehepartner an der Kommunion gehen an der heutigen Realität und an den Erwartungen der Christen vorbei. Wir sprechen von Ökumene, wir haben Kommissionen für interkonfessionellen Zusammenarbeit, aber in dem wesentlichen Punkt der Einheit in Christus durch die gemeinsame Teilnahme an seinem Tischmahl sind wir nicht viel weitergekommen als in der Zeit der Reformation.
Jesus hat eine einfache aber klare Theologie gelebt, die Theologie der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit, eine Theologie des Teilens und der Würde. „Seht, ich mache alles neu“ (Joh 21,5). Es wäre gut, sich daran zu erinnern, daran zu glauben, auch daran zu arbeiten.
 
Pierre Gerodez, Diakon, Laudenbach