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Laetare, Freut euch

 

Geistliches Wort vom 13.03.2021

Laetare, Freut euch

Der 4. Sonntag nach dem Aschermittwoch ist die Mitte der Fastenzeit und wird gemäß der Liturgie Laetare (Freut euch) genannt. Haben wir heute Grund genug, uns zu freuen? Viele haben das letzte Jahr mit Restriktionen, mit massiv wirtschaftlichen Einbußen, leider auch mit Krankheit und Tod bitter erfahren müssen. Die Zeit der Pandemie scheint lange noch nicht beendet. Es gibt doch Zeichen dafür, dass eine Hoffnung zu erkennen ist, selbst wenn die Virus-Varianten aktiv bleiben, wenn die Impfstoffe noch nicht weit verbreitet sind und die Impfungen noch oft ins Stocken geraten.
Eines wird womöglich noch schwieriger werden, und eine bedeutsame Herausforderung darstellen. Das ist die Rückkehr zu einer Normalität der menschlichen Beziehungen. Manche werden vorsichtig, misstrauisch bleiben und von engen Kontakten lange noch fernbleiben. Andere werden mutig sein und gleich in das aktive Leben hineinspringen: ins Kino gehen, Konzerte besuchen, endlich mal die Gastronomie und Reisen genießen.
Für das Kirchenleben bleibt es dennoch spannend und ganz offen, wie die gemeinschaftliche Prägung des Glaubenlebens aus der Lethargie reaktiviert wird. So lange haben Menschen sich von Gottesdiensten, von selten gewordenen Kirchenfeiern halten müssen, dass die Frage erlaubt sein darf: Hat es ihnen was gefehlt? Die Vielzahl an Online-Übertragungen von Geistlichen, die vor einer virtuellen Gemeinde sprechen und beten, können Lebendigkeit und Tiefe des Glaubens nicht wiedergeben. Haben wir darunter gelitten? Ist da noch eine Sehnsucht nach Lebendigkeit des Glaubens? Werden die Kirchen und Gebetshäuser nicht viel zu groß bis überflüssig, da für viele die Bedeutung der Glaubensgemeinschaft verloren scheint? Video-Übertragungen sind Notmittel, die keine Gemeinschaftswärme vermitteln können. Es geht nicht nur um die erlebte Gemeinschaft in der Liturgie, sondern schließlich auch um die Bedeutung des Glaubens im Alltag, um die Prägung des täglichen Lebens durch religiöse Werte.
Eine Analogie mit der uralten Erfahrung des Volkes Israels während der Gefangenschaft in Babylon mag hier eine Verbindung zu der heutigen Situation erschließen. Jerusalem war zerstört, der Tempel Salomo zerstört, Judäa besetzt, ein Großteil des Volkes deportiert. Die Frage war: Können wir dennoch außerhalb des Tempels feiern? Wie soll der Glaube im Alltag gelebt werden? Ja, es war möglich. Neue Wege wurden gefunden, die vorher versperrt und unmöglich schienen. Neue Strukturen der religiösen Gemeinschaft wurden gefunden. Verantwortungen sind neu verteilt worden. Aus dieser Zeit entstand das bis in unseren Tagen gültigen Konzept der lokalen Gemeinden um ein Gotteshaus, die Synagoge. In den langen Jahren der Bedrängnis ruft Jesaja, der Prophet des Exils: Freut euch (Laetare) mit Jerusalem. Jubelt, alle, die ihr sie liebt.“(Jes 66, 10).
Hoffnung und Mut und den Blick nach vorne richten, anstatt über das Verlorene zu klagen. Auch neue Wege einschlagen. Darin zeigt sich die Lebendigkeit des Glaubens, nicht im Verharren auf das Vergangene. Es verlangt eine Öffnung der Geister und den Mut, neue Wege zu gehen. Die Menschheit hat immer schwere Stunden erfahren. Immer wieder gab es ein neuer Beginn, neue Wege.
 
Pierre Gerodez, Diakon, Laudenbach