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Geistliches Wort vom 09.04.2014

 

Geistliches Wort vom 09.04.2014

Gedanken zu den Kar- und Ostertagen

 

Die Kar-und Ostertage bilden die Herzmitte und den Urgrund christlichen Glaubens. Hier – im Leiden und Sterben Jesu Christi, in der Stille des Karsamstags und im Wunder der Auferstehung des »Ersten der Entschlafenen« – nimmt die Heilsgeschichte ihren unhintergehbaren Anfang. »Der Tod ist das Alltäglichste, könnte man meinen.«             So beginnt der große Theologe Karl Rahner seine Betrachtungen zur Passion Jesu Christi und fragt nach dem Sinn des scheinbar so kleinen Augenblicks, auf den alle Zeiten gewartet hatten, die das Kreuz Christi überschattet hat. Er war der Sinn aller Zeiten – Gott hat sein letztes Wort in dieser Welt und Geschichte gesagt: Das Wort seines Sohnes, der hinabgestiegen ist in das Reich des Todes, um unseren Tod zu besiegen. Diese Ereignisse der »heiligen drei Tage« liegen nicht hintereinander – wir erleben sie immer schon gegenseitig durchdrungen.

Als Eigenschaften Gottes fallen uns meistens ein: Heilig, groß, erhaben, allmächtig. Oder: Gütig, barmherzig, freundlich. Da gibt es aber noch andere Eigenschaften Gottes, die wir leicht übersehen: Überraschend, schöpferisch, fantasievoll, befreiend. Über diese Eigenschaften sollten wir gerade an Ostern nachdenken.

Ist uns eigentlich die Ungeheuerlichkeit dessen bewusst, was wir da feiern? Ein Toter ist aus dem Grab erstanden. Er lebt! Da wird doch die Welt auf den Kopf gestellt. Wer außer Gott könnte so schöpferisch sein?

Ist uns eigentlich bewusst, was wir singen: Halleluja, Jesus lebt!? Ist uns bewusst, was wir bekennen: Ich glaube an die Auferstehung der Toten!? Manchmal habe ich den Eindruck, dass uns solche Lieder und Bekenntnisse zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Und doch, was wir da an Ostern feiern, singen und bekennen, das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr eine Ungeheuerlichkeit, eine Überraschung, für unsern menschlichen Verstand kaum fassbar. Unser Gott ist immer für eine Überraschung gut. Er weist Wege, manchmal Auswege, wo nach unserem Ermessen eine Sackgasse ist, wo alles aussichtslos ist. So etwa am Roten Meer, beim Auszug aus Ägypten: Keine Brücke, kein Schiff! Da führt er einfach sein Volk durch das Meer ins Leben. Und als er in seinem Sohn Jesus auf diese Erde kam und auf dieser Erde wirkte: als erste hörte es Maria: Menschen ist das unmöglich, nicht aber Gott!

Nach dem gleichen Leitwort begegnet er Kranken, Sündern, Toten: nach menschlichem Ermessen hatten sie keine Chancen mehr. Er brachte neue Chancen in ihr Leben, total überraschend: Verzeihung für die Sünder; Heilung für die Kranken, Auferweckung für die Toten. Nochmals die Frage: Ist uns eigentlich bewusst, was wir da feiern, singen und bekennen? Eigentlich sollten wir  erst einmal sprachlos sein. Dann aber sollten wir uns fragen: Wenn ich so etwas Ungeheuerliches, etwas so  Schöpferisches glaube und bekenne, prägt das nur meine Worte oder auch mein Leben? Macht mich das mutig, optimistisch, fantasievoll? Lässt mich das Wege suchen, die neu sind, befreiend, wo Leben festgefahren ist? Lässt mich das Aufbrüche und neue Anfänge wagen, wo ich sehe, dass das dem Leben dient?

Ich wünsche mir zu Ostern Christen, die den Auferstandenen nicht wieder in das Grab ihrer Angst, ihrer Fantasielosigkeit, ihrer Enge, ihrer Faulheit, ihres Trotts und ihrer Gedankenlosigkeit einsperren. Gelingen wird uns dies sowieso nicht. Ich wünsche mir eine österliche Kirche, welche neue Aufbrüche wagt zu den Menschen, die die Sprache der jungen Generation erlauscht, die auch den Mut zu neuen Formen hat, die den Fernstehenden Heimat ist durch ihre Offenheit, die dem Neuen und Unbekannten nicht mit grundsätzlichem Misstrauen, sondern hoffnungsvoll begegnet. Ich möchte schließen mit einem Wort von G.B. Shaw: “Manche Leute sehen Dinge und fragen: Warum? Ich träume von Dingen, die es nie gab, und frage: Warum eigentlich nicht?"

Alfred Müller, Diakon in Hemsbach